Mein Besuch im Meldeamt

Was für ein Tag ... Hatte ich mich doch endlich entschlossen, mir einen vorläufigen Pass ausstellen zu lassen, um wieder ein gültiges Ausweisdokument in der Hand zu halten und das immer noch ohne Fingerabdrücke. Der Pass ist jetzt ein Jahr gültig und danach dürfte es auch wieder Personalausweise ohne Fingerabdrücke geben 🤸‍♀️.

Zugleich hatte dieser Besuch in der Meldestelle den positiven Effekt, mir auch dort die neue Einrichtung anzuschauen, die 2024 für das Rathaus in Höhe von 380.000 Euro (incl. Medientechnik) beschlossen und 2025 angeschafft wurde. Zuzüglich der knapp 50.000 Euro Strafzahlung für fehlerhafte Ausschreibung und Rechtsanwaltskosten 💥.

Aber ach ... Die Meldestelle (die nicht im Rathaus sitzt) wurde bei der Einrichtung komplett vergessen. Dabei dachte ich, dass sie als Teil der Stadtverwaltung auch Teil des Rathauses ist, für welches es im Stadtrat die entsprechende Vorlage zur Finanzierung gab. Scheint doch irgendwie nicht so und dadurch ist der exorbitante Betrag für mich noch weniger nachvollziehbar.

Aber nun zu meinen weiteren Beobachtungen: Gleich als ich durch die Eingangstür in den Wartebereich kam, schlug mir eine Luft entgegen, die wir aus alten und feuchten Gemäuern kennen. Da ich keinen Termin hatte, musste ich sehr lange warten und bekam schnell kalte Füße, denn das Meldeamt liegt im Erdgeschoss und ist demzufolge irre fußkalt. Arme Mitarbeiter, die dort über Stunden ausharren müssen 🫣.

Das Modernste in der Etage war die Stechuhr, die ich anfangs mit so einem Zettelautomaten verwechselte, an dem man Nummern ziehen kann, um einen geregelten Ablauf zu gewährleisten. Letzteren gab es natürlich nicht und so lief das Ganze dann auch ab. Ich musste nämlich zuerst herausfinden, wer vor mir kam und nach wem ich demzufolge dran war. Ein Herr, der es scheinbar eilig hatte, beherrschte diese Kunst nicht und ich hatte dann gut zu tun, dass er nicht vordrängelte.

Aber noch war es nicht so weit. Erstmal beobachtete ich noch, wie ein anderer Herr eine Mitarbeiterin ziemlich ruppig behandelte, weil seine Geduld auch begrenzt war. Zwischendurch - ich saß gut anderthalb Stunden - kamen immer wieder Mitarbeiter aus den Zimmern, verbreiteten gute Laune und versuchten, die Bürger an das "richtige Zimmer" zu verweisen. Ich fragte mich währenddessen ernsthaft, wieso wir tausende Euro für "Gardinen, Schreibtische und Medientechnik" ausgeben und es im Meldeamt, welches meines Erachtens den größten Besucherstrom hat, keinen Nummernautomat und auch keine Aufrufanlage gibt. Ich fühlte mich wie im Mittelalter und da hatte ich noch nicht mal die Zimmereinrichtung gesehen.

Die schlug dann dem Fass den Boden aus. Während im Rathaus alles auf´s Feinste gemacht ist, die Feuertreppe an den Bundestag erinnert, für vermutlich jeden ein höhenverstellbarer Schreibtisch bereitsteht und man darüber nachdenkt, die intakte Fassade für teures Steuergeld zu sanieren, ist das Amt mit der größten Außendarstellung sinnbildlich im Keller untergebracht. Mich wundert es deshalb immer wieder, dass es noch Mitarbeiter in der Greizer Verwaltung gibt. Meine Hochachtung, dass sie durchhalten ❤️!

An die lieben Stadträte, die mir erklären wollten, dass höhenverstellbare Schreibtische der Fürsorgepflicht entsprechen: Hier seid ihr im Irrtum. Ihr solltet deshalb euer Fürsorgebedürfnis lieber auf die Marienstraße 2 richten.



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